Jeder KI-Dienst, den Sie kennen, speichert Ihre Gespräche. Nicht aus Bosheit, sondern weil die Funktion, die alle wollen, ohne Speicherung nicht geht: dass man nachfragen kann, ohne alles noch einmal zu erklären.
Wir bauen es anders, und das ist keine Kleinigkeit. Es ist die Entscheidung, die diesen Dienst von den meisten anderen unterscheidet – und die einzige, bei der wir dem Nutzer bewusst etwas wegnehmen.
Was ein Gedächtnis technisch bedeutet
Ein Sprachmodell hat kein Gedächtnis. Es bekommt bei jeder Anfrage einen Text und erzeugt eine Fortsetzung. Was wie eine Erinnerung an das vorherige Gespräch aussieht, ist ein Trick: Die Anwendung schickt den bisherigen Verlauf einfach jedes Mal mit.
Damit das funktioniert, muss der Verlauf irgendwo liegen. Nicht im Modell – im Modell geht nichts hinein. Sondern in einer Datenbank beim Anbieter, mit Ihrer Kontokennung daran.
Er ist der einzige Grund, aus dem Ihre Eingaben dauerhaft gespeichert werden müssen. Alles andere – Abrechnung, Missbrauchserkennung, Betriebsüberwachung – kommt mit Angaben aus, die den Inhalt nicht enthalten.
Was daraus über Monate entsteht
Ein einzelner Verlauf ist harmlos. Zweihundert Verläufe über ein Jahr sind es nicht. Nehmen Sie eine durchschnittliche Nutzung:
- Ein Brief an die Krankenkasse – enthält eine Diagnose
- Ein Widerspruch gegen einen Bescheid – enthält Einkommensverhältnisse
- Eine Reiseplanung – enthält Abwesenheitszeiten der Wohnung
- Eine umformulierte Kündigung – enthält den Arbeitgeber und den Grund
- Eine Erklärungsfrage – verrät, was jemand nicht weiß
Keiner dieser Texte wurde in der Absicht geschrieben, etwas preiszugeben. Zusammen ergeben sie ein Profil, das genauer ist als das meiste, was Werbenetzwerke je zusammengetragen haben – und es liegt an einer Stelle, adressierbar über eine Kontokennung.
Drei Wege, auf denen so ein Bestand das Haus verlässt
- Der Einbruch Ein Datenbestand, der existiert, kann kopiert werden. Das ist keine Unterstellung gegen irgendeinen Anbieter, sondern eine Aussage über Datenbestände allgemein.
- Die Anordnung Was vorhanden ist, muss auf rechtmäßige Anordnung herausgegeben werden. Kein Anbieter kann sich darüber hinwegsetzen, und keiner sollte es behaupten.
- Die Zweckänderung Der häufigste Weg und der langweiligste. Ein Unternehmen wird verkauft, die Bedingungen werden angepasst, und aus „nur zur Bereitstellung des Dienstes“ wird „zur Verbesserung unserer Produkte“.
Gegen alle drei hilft dieselbe Maßnahme, und es ist nicht Verschlüsselung. Es ist, den Bestand gar nicht erst anzulegen.
Was das kostet
Ehrlich gesagt: einiges. Sie merken es sofort.
- Kein „mach das nochmal, aber kürzer“ ohne den Text erneut mitzugeben
- Keine Personalisierung über Sitzungen hinweg
- Kein Nachschlagen, was Sie letzte Woche gefragt haben
- Kein Weiterarbeiten am Vortagsstand
- Ein Auskunftsersuchen zu Inhalten läuft ins Leere, weil nichts da ist
- Eine Herausgabeanordnung ebenfalls
- Ein Einbruch fördert keine Gesprächsinhalte zutage
- Eine spätere Zweckänderung hat keinen Bestand, auf den sie zugreifen könnte
Wir behaupten nicht, dass dieser Tausch für jeden richtig ist. Wer täglich acht Stunden mit einem Assistenten arbeitet und keine schutzbedürftigen Inhalte eingibt, verliert echten Komfort und gewinnt wenig. Für den ist ein anderer Dienst die bessere Wahl, und das ist völlig in Ordnung.
Der Ausweg, den wir vorsehen
Kontext geht nicht verloren, er wird nur nicht bei uns gelagert. Wer einen Zusammenhang braucht, gibt ihn mit – aus einer Datei, aus der Zwischenablage, aus einem eigenen Werkzeug, das den Verlauf lokal führt.
Das verschiebt die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört: zu dem, dem die Daten gehören. Es ist unbequemer. Es ist auch das Einzige, was die Aussage „wir speichern nichts“ überhaupt haltbar macht.
Zeitpunkt, Konto, gewähltes Modell, Anzahl verarbeiteter Token, Bearbeitungsdauer. Ohne diese Angaben lässt sich ein Server weder absichern noch abrechnen. Der Inhalt Ihrer Anfrage gehört nicht dazu. Der Unterschied zwischen Inhalt und Metadaten ist der Punkt, an dem viele Zusagen unscharf werden – deshalb steht er hier ausdrücklich.
Und die Grenze
Kein Gedächtnis heißt nicht, dass niemand mitlesen kann. Während das Modell rechnet, liegt Ihr Text im Arbeitsspeicher der Grafikkarte. Wer administrativen Zugriff auf diese Maschine hat, könnte theoretisch hineinsehen. Das gilt für jeden Anbieter dieser Art, und wer etwas anderes behauptet, hat entweder nicht nachgedacht oder hofft, dass Sie es nicht tun.
Absichern lässt sich das organisatorisch – getrennte Konten, Zwei-Faktor-Anmeldung, Protokollierung der Verwaltungszugriffe. Ausschließen lässt es sich nur mit eigener Hardware. Deshalb gibt es den Dedicated-Tarif, und deshalb steht dieser Absatz hier und nicht im Kleingedruckten.